Rechtspflegerische Gesamthandlung

Der Begriff der rechtspflegerischen Gesamthandlung meint, dass die Handlungslogik der jeweiligen juristischen Berufe nur aus der Berufsrollenverteilung heraus zu verstehen ist, in die sie innerhalb des Verfahrens eingebettet sind. Richterliche, anwaltliche, strafadvokatorische und staatsanwaltschaftliche Handlungslogik und auch die professionelle Handlungslogik von rechtlichen Betreuern sind jeweils als Vereinseitigung der rechtsptlegerische Gesamthandlung konstituierenden Momente (formalen bzw. materialen Geltungsansprüche) zu verstehen.

Das Betreuungsverfahren stellt somit eine geordnete rechtspflegerische Gesamthandlung dar, die auf den Betreuten Menschen bezogen ist. In so weit sich ein betreuter Mensch nicht selbst vertreten kann, wird er Zentrum und Bezugspunkt einer ihn vertretenden organisierten Rechtsperson. Sie besteht aus Betreuer und dem Betreuungsgericht, die in sich ergänzender Weise und mit unterschiedlichen Foci die formalen bzw. materialen Geltungsansprüche des in die Krise geratenen betreuten Menschen zur Geltung kommen lassen(1).

Anmerkungen:
  1. vgl. Wernet, A., 1997: Professioneller Habitus im Recht. Untersuchungen zur Professionalisierungsbedürftigkeit der Strafrechtspflege und zum Professionshabitus von Strafverteidigern. Berlin: Edition Sigma. sowie Lipp, Volker. Freiheit und Fürsorge. Mohr Siebeck, 2000, S. 40 ff. S 51 []