Künftige Herausforderungen an die Gesundheitseinrichtungen
Vor welchen Herausforderungen stehen die Gesundheitseinrichtungen in Deutschland heute? Zwei Thesen eines Berufsbetreuers zu diesem Thema, die im Hinblick auf professionspolitische Anschlussfähigkeit formuliert werden.
In bereits veröffentlichten Beiträgen behandelte ich die Herausforderung an den Gesetzgeber und die Patienten sowie an die Beschäftigten im Gesundheitssystem.
Spezialisierung
Einerseits ist bei den Einrichtungen im Gesundheitswesen eine Tendenz zur Spezialisierung festzustellen. Diese Spezialisierung ergibt sich aus den Fortschritten de medizinischen und pflegerischen Wissens, ist aber ebenso eine Folge der Tatsache, dass Gesundheit ein Markt ist, auf dem Anbieter sich durch Spezialangebote dem Konkurrenz- und Kostendruck entziehen können.
Die Herausforderung für auf bestimmte Krankheiten, Organe, Behandlungs- und Pflegeformen spezialisierte Einrichtungsträger besteht darin, dass sie extern künftig mehr als zuvor auf Integration ihres Angebots durch Kooperation angewiesen sind.
“Anbieter, die alleine oder in einem losen Verband agieren, werden es sehr schwer haben, das volle Versorgungsspektrum anzubieten und zu koordinieren, um [...] wettbewerbsfähig zu bleiben.”1
Damit steigt der Führungsaufwand für die Einrichtungen. Um das (spezialisierte) Leistungsgebot nach außen hin zu koordinieren, müssen geeignete Mitarbeiter ganz oder teilweise hierfür abgestellt werden. Gesundheitseinrichtungen setzen sich aber aus Expertengruppen zusammen, die ihre Eigeninteressen als Gruppe oft zu sehr betonen. Abstimmungsprobleme mit anderen Gruppen in der Einrichtung und nach außen hin sind die Folge. Das überreifende Interesse für die Einrichtung, für deren Ziele und deren Werte kommt zu kurz und kann nur durch Organisationslernen behoben werden2.
Ökonomisierung und Konzentration
Die externe Anforderung durch Kostenträger und konkurrierende Anbieter, die Kosten zu reduzieren, führt zu Konzentrationsprozessen. Das heißt, dass sich Träger mit gleichem Angebot horizontal zusammenschließen. So haben sich viele kommunale Krankenhäuser inzwischen zusammengeschlossen. Konzentrationsprozesse können sich aber auch durch feste Kooperationen mit Anbietern fremder Leistungen ergeben, beispielsweise zwischen ambulanten Ärzten und Krankenhäusern oder Apothekern und Heimen ergeben. Horizontale Zusammenschlüsse führen zur wirtschaftlichen Einsparungen beispielsweise bei den Verwaltungsstrukturen. Vertikale Zusammenschlüsse in Form von Kooperationen, führen ebenfalls häufig zu wirtschaftlichen Einsparungen für die Einrichtungen. Zusätzlich kann die Versorgungsqualität durch solche Kooperationen verbessert werden 3.
- C. Meli, Horizontale und vertikale Konzentrationsprozesse bei den Leistungserbringern in Gesundheitssystemen, S. 30 http://www.iop.unibe.ch/lehre/lizentiatsarbeiten/Liz-Meli-Carolina.pdf[↩]
- Gutachten 2007 des Sachverständigenrates, Bt-Drs. 16/6339, S. 72[↩]
- C. Meli, Horizontale und vertikale Konzentrationsprozesse bei den Leistungserbringern in Gesundheitssystemen http://www.iop.unibe.ch/lehre/lizentiatsarbeiten/Liz-Meli-Carolina.pdf[↩]