Künftige Herausforderungen für Beschäftigte im Gesundheitswesen

Montag, 11. Mai 2009 - 10.57 Uhr | Kommentare deaktiviert

Vor welchen Herausforderungen steht der Beschäftigte im Gesundheitswesen von heute? Zwei Thesen eines Berufsbetreuers zu diesem Thema, die im Hinblick auf professionspolitische Anschlussfähigkeit formuliert werden.

In bereits veröffentlichten Beiträgen behandelte ich die Herausforderung an den Gesetzgeber und die Patienten.

Erfahrung vs. Verwissenschaftlichung und Bürokratisierung

Neben der eigenen Erfahrung und dem individuellen Können bekommen evidenzbasierte Behandlungs- und Pflegeleitlinien eine zunehmende Bedeutung, werden von Professionellen derzeit aber noch als extern auferlegte Einengung und ungewünschte Komplexitätssteigerung erfahren. Aufgrund der fehlenden Zusammenarbeit der Mitglieder im Versorgungssystem (Ärzte, Fachärzte) kommt es zu einen schlechten Diffusion allgemeiner wissenschaftlicher Standards.1. Die ” in Deutschland angewendeten Behandlungsleitlinien (entsprechen) in der Mehrzahl nicht den Qualitätsstandards der evidenzbasierten Medizin”2.

Unverkennbar ist auch ein Trend zur Bürokratisierung. Neue Abrechnungsmethodiken erhöhen den Dokumentationsaufwand (DRGs), Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement, Aufklärung der Patienten, Gewährleistung der Patientensicherheit, Anforderungen an Hygiene, Umweltmanagement erfordern immer mehr Dokumentationsaufwand3.

Multiprofessionalität oder Spezialisierung?

Zur Herausforderung für Mitarbeiter und Selbständige im Gesundheitswesen wird die Frage, ob sie den Entwicklungen im Gesundheitswesen durch Spezialisierung oder durch Multiprofessionalität begegnen wollen. Nicht wenige der neuen Berufsbilder in der Pflege verweisen auf Spezialisierungschancen.

Andererseits geraten auf manchen Gebieten Generalisten, mehrfach Qualifizierte, interdisziplinär Orientierte künftig in Vorteil, weil sie die unterdessen gesellschaftlich problematisierte Sektorisierung und Segmentierung im Gesundheitswesen zu überwinden helfen. Statt auf eine Vertiefung von medizinischem oder pflegerischem Spezialwissen richtet sich die Strategie dieser Professioneller auf Organisations- und Managementprozesse.

Für beide genannten Strategien, die interne, kleinräumige Orientierung auf Spezialisierung wie auf die externe, großräumige Orientierung auf Kooperation wird die Bereitschaft der Professionellen zu lebensbegleitender Fort- und Weiterbildung notwendig.

  1. Gutachten 2007 des Sachverständigenrates, Bt-Drs. 16/6339, S. 70, Bt-Drucksache 14/8800 S 187[]
  2. Bt-Drucksache 14/8800 ebd.[]
  3. Gutachten 2007 des Sachverständigenrates, Bt-Drs. 16/6339, S. 70[]