Stimmenhören

Donnerstag, 26. Januar 2006 - 13.44 Uhr | Keine Kommentare

Als Betreuer nimmt man nicht häufig an einer regulären psychiatrischen Aufnahme teil. Weil oft Gefahr im Verzug ist, führt der Weg an der regulären Aufnahme vorbei, direkt auf die Station, wo der Patient oft schon bekannt und das Aufnahmegespräch nur kurz ist oder später nachgeholt wird.

Wenn man doch einmal die Zeit für reguläres psychiatrisches Aufnahmegespräch gemeinsam mit dem Betreuer bleibt, kommt irgendwann diese Frage an den Patienten, oft mit bewusst beiläufiger Intonation gestellt: “Hören Sie manchmal Stimmen?”

Interessanterweise versteht jeder diese Frage; versteht, dass da innere Stimmen gemeint sind. Stimmen, die nicht aus der äußeren Welt kommen, sondern aus dem Inneren. Eingebildete Stimmen. Dass Menschen manchmal Stimmen hören, ist Allgemeinwissen, jeder hat schon einmal einen Krimi gesehen, in dem der Täter “auf Befehl einer inneren Stimme” gehandelt hat. Dennoch ist das Thema im Alltag schwierig. Betroffene reden selten darüber.

Die Website www.stimmenhoeren.de hat sich zum Ziel gesetzt, das Thema Stimmenhören zu enttabuisieren. Nicht jeder, der Stimmen hört, ist krank oder gar gefährlich. Jeder Mensch kann ihn für ihn mehr oder weniger belastenden Situationen plötzlich Stimmen hören. Eine interessante und informative Website. Hören Sie mal rein…

Kunden-Scoring

Montag, 16. Januar 2006 - 13.36 Uhr | Keine Kommentare

Ich betreue den Sohn einer älteren bereits berenteten Dame, eine ehemalige Sozialarbeiterin. Die alte Dame gehört noch zu jenem Schlag von von Sozialarbeitern, die tatsächlich ein gutes Herz haben. Und daher versinkt sie in ihrer Wohnung in Bettelbriefen und Prospekten von seriösen und weniger seriösen Hilfsorganisationen. Da sie diesen Leuten fast immer antwortet und häufig spendet, hat ihre Adresse durch Datenanreicherung ein sehr hohes Scoring erhalten. Die Folge: immer mehr personalisierte Bettelbriefe. Sie wird unterdessen sogar als “säumige” Kundin “angemahnt”, weil sie im Jahr 2005 in manchen Fällen nicht gespendet hat!

Kunden-scoring funktioniert auch anders herum. Wer im Berliner Rollberg-Viertel wohnt, muß damit rechnen, bei Quelle nur per Nachnahme bestellen zu können. Schon bevor der Anrufer die Warteschleife durchlaufen hat, hat das Telefon-System des Callcenters anhand der übermittelten Rufnummer die Geodaten ausgewertet. Die Gegend ist nicht kreditwürdig.

Ob die Callcenter der “Jobcenter” auch schon ein Kunden-Scoring haben? Von 1 für “leicht vermittelbar” bis 10 “schwerer Fall”?